Hauskrankenpflege: Aufgaben, Besonderheiten, Herausforderungen - ein Interview mit Michaela Kolbrich
Welche Aufgaben hast du im Team der Hauskrankenpflege als diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin?
Ich betreue ältere Menschen im häuslichen Bereich (mobile Hauskrankenpflege) und bin verantwortlich für die Planung, Durchführung und Evaluation der Pflege.
Zu meinen Aufgaben zählen, z.B. das Erheben im Zuge der Aufnahme von Kund:innen (Anamnese), Pflegedefizite und Ressourcen feststellen, Pflegeplanung, Durchführung von Maßnahmen, Körperpflege, Pflegevisiten, Sturzprävention, etc. Ebenso gehört das Mitwirken an diagnostisch und therapeutischen Maßnahmen dazu, wie z.B. Bandagieren, Diabetes-/Stoma-/Inkontinenzversorgung, Medikamenten-/Wund-/Schmerzmanagement, Vitalparameter messen und überwachen, Rettungstransporte bestellen, etc.
Ich arbeite eng mit unserem Team, der Einsatzleitung und anderen Berufsgruppen zusammen, wie z.B. Hausärzte, Ambulanzen, Physiotherapeuten, 24h Betreuer:innen, Rettung, etc. Außerdem bin ich eine zentrale Ansprechperson für die Fragen/Ängste/Sorgen unserer Kund:innen und deren Angehörigen. Weiteres auch für Kollegen:innen anderer Berufsgruppen wie PFA, FSBA und Heimhilfe (Delegation).
Zusätzlich ist mein Schwerpunkt die Palliativpflege. Menschen in Sterbesituationen zu begleiten und ein würdevolles Sterben zu ermöglichen, liegt mir besonders am Herzen.
Was magst du an deinem Beruf besonders gerne?
Ich liebe an meinem Job den Umgang und Nähe mit Menschen, die Vielfältigkeit der täglichen Aufgaben und das selbstbestimmte Arbeiten, um die Lebensqualität der Betroffenen zu fördern. Es bleibt immer spannend und abwechslungsreich. Ich arbeite in einem tollen, kollegialen Umfeld. Die Kolleg:innen und Chefitäten sind einfach top! Wenn ich mal nicht weiter weiß, ist immer jemand da, den man fragen kann. Plötzlich ist ein neuer Input da und weiter geht’s. Die Wundversorgung und Verläufe beobachten ist richtig faszinierend. Zwischen den Einsätzen höre ich laut Rockmusik. Ein verlässlicher Dienstplan (kein Einspringplan) ist mir wichtig und Weiterbildungsmöglichkeiten.
Ich habe über 14 Jahre im stationären Palliativbereich gearbeitet, früher war es für mich ein Highlight, wenn ein würdevolles Sterben gut gelungen ist. Jetzt sind vorwiegend meine Highlights, wenn eine Wunde abheilt oder ein Kunde entlassen wird.
Mit welchen Herausforderungen bist du in deinem Arbeitsalltag konfrontiert?
Es kann sich der Allgemeinzustand von Kunden verschlechtern. Ereignen können sich beispielsweise Blutdruckkrisen, Infektionen, Sturzgeschehen, Gefäßverschlüsse oder Wunden verschlechtern sich, das erfordert dann schnelles Handeln. Insbesondere palliative Einsätze und verwahrloste Lebensumstände fordern uns heraus. Durch die allgemeine Teuerung müssen sich manchmal Kunden das Geld gut einteilen, dass sie sich die Medikamente noch leisten können.
Zudem wird die Bürokratie leider nicht weniger, sondern mehr. Es gibt häufig viel zu organisieren (z.B. Anforderungen für Medikamente, Verbandsstoffe und Hilfsmittel, ärztliche Anordnungen, Anträge für Pflegegeld bzw. Pflegeheim stellen, etc.).

Du bist für deinen Standort Teil der Palliativgruppe im Projekt HiM (Hospiz- und Palliativcare im Mobilen Dienst) – was gefällt dir daran?
Sich zu vernetzen und austauschen mit Kolleg:innen aus anderen Standorten ist sehr wertvoll. So können wieder neue Ideen bzw. Themenschwerpunkte entstehen (z.B. Rahmenbedingungen für ein würdevolles Sterben, Vorsorgedialog, etc.), an denen wir gemeinsam arbeiten, auch im Bildungsbereich, um die palliative Versorgung zu optimieren.
Was konntest du schon umsetzen?
Im Zuge des HiM-Projekts ist die palliative Beratungsbroschüre „Schwerkranke und Sterbende zu Hause begleiten“ entstanden, für Betroffene und Angehörige. Die Broschüre wurde auch an die Hausärzte verteilt und dankend angenommen, denn die wussten gar nicht, welche Vielzahl von Institutionen es gibt und ihnen fehlt oft die Zeit für tiefere Gespräche, so haben sie ein gutes Werkzeug in der Hand.
Weiteres ist eine mobile „Palliativbox“ entstanden. Darin befindet sich das Equipment für Palliativ-Einsätze und Sterbebegleitungen (z.B. Rosenkranz, Pflegemittel, Öle, Raumspray, etc.).
An unserem Standort in Steyr wurde eine Palliativ-Pinwand errichtet. An der Pinwand werden die Trauerparten von Verstorbenen angebracht. Wir haben einen besonderen Platz geschaffen, der den Verstorbenen gewidmet ist und sich auch Mitarbeiter:innen verabschieden können. Da unser Beruf sehr Zeit getaktet ist, geben wir uns oft nur die Türklinke in die Hand. Wir sind vorwiegend alleine im Auto unterwegs und bekommen teilweise nicht alle Sterbefälle mit.
Die Palliativ-Pinwand informiert nun alle. Jeder kann individuell innehalten und manchmal entwickelt sich ein Gespräch mit den Kollegen:innen. Es ist ein Abschiedsritual geworden. Zudem werden auch palliative Informationen (z.B. Blitzinfo, One Minute Wonder) ausgehängt.
Über welche Eigenschaften sollte jemand, der sich für diesen Job interessiert, verfügen?
Die Person sollte sowohl ein guter Teamplayer als auch eine Persönlichkeit sein, die das eigenständige Arbeiten und Autofahren mag. Unser Beruf setzt eine hohe Kommunikationsfähigkeit, Empathie, Zuverlässigkeit und Flexibilität voraus. Der Umgang mit Hygiene und Infektionsprävention ist besonders wichtig. Wir lernen häufig Neues kennen und haben einen guten Sinn für Humor ;-)
Ich über mich – DGKP Michaela Kolbrich
Diplomiert habe ich 2009 am AKH Wien, seither begeistere ich mich für die Palliativpflege. Am AKH Wien war ich 6 Jahre lang im Onkologie und Palliativbereich. Zuletzt war ich, 7 Jahre, im Klinikum Wels, auf der Palliativstation tätig. Bei der Diakonie.mobil Steyr bin ich seit dem Jahr 2022 tätig.
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